Pegasus erzählt ein'n vom Pferd

 

 

 


´Die hohe Kunst der Poesie


erschließt sich selten oder nie


wes´ Blut die Glut des Dichters mangelt


 - der kann einpacken´.


Zwischenruf Ovid (vermutlich Pseudonym):
´Gibt es Mittel, gibt es Wege
aufzuhelfen Geistes Rege´?

Pegasus (wechselt das Standbein):
´Wenn sich nachts der Lindwurm kreuzt
mit dem Käuzchen, und es spreuzt
Federn allerseiten hin -´

Orpheus (räuspert sich vernehmlich):
´Winde, wechselt eure Richtung
zu beflügeln diese Dichtung!´

Gekränkt schürzt Pegasus die dicken
Lippen, wendet sich zu Eurydiken
deren Wange prompt erglüht -
Orpheus runzelt seine Brauen.

Zwischenruf Ovid (Pseudonym, vermutlich):
´Haltet ein, ihr Geniusse,
hie zu geistigem Genusse
haben wir uns eingefunden
reißt euch gefälligst zusammen!´

Terpsichore verhüllt ihr Haupt.
Was Ovid sich hier erlaubt
sprengt alle Grenzen frommer Scheu!
Stumm blickt Orpheus in die Runde.

Starre löst sich auf in Klagen:
Orpheus hat´s die Sprach´ verschlagen!
Pegasus keilt aus und trifft
kieloben treibt Ovid vorbei.

Das Gastmahl ist nicht mehr zu retten.
Raffend ihre Röck´ und Schleppen
eilt Eurydike von hinnen
- Der Rest ist Schweigen.


 

Gretl Bauer, Moormühle


 

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